Belletristik

Usamam Al Shahmani: Im Fallen lernt die Feder fliegen. Zürich: Limmat 2020
237 S., geb., 24 €, ISBN 978-3-03926-002-7

 

Aida, als Kind mit ihrer Familie aus dem Irak geflohen, in der Schweiz aufgewachsen, muss sich nun, Anfang 20, mit ihrer Herkunft und den Werten ihrer Familie auseinander setzen. Sie findet nach jahrelanger Verweigerung im Schreiben eine Möglichkeit ihre kulturellen Wurzeln in ihre neu gewonnene Unabhängigkeit zu integrieren und somit selbstbewusst ihren Weg zu gehen. Ein berührender Entwicklungsroman in poetischer Sprache.

 

 

Bov Bjerg: Serpentinen. Roman. Berlin: Claassen 2020
266 S., geb., 22 €, ISBN 978-3-546-10003-8

 

Kann man sich von den Dämonen der Vergangenheit lösen? Der Vater, der Großvater, der Urgroßvater des Ich-Erzählers haben Selbstmord begangen und der Erzähler versucht durch größtmögliche Distanz sich und seinen Sohn vor diesem Schicksal zu bewahren. So unternimmt er eine Reise mit ihm und die Serpentinen auf der Strecke stehen für das Hin und Her, für das Gelingen oder Scheitern. Ein kunstvoll aufgebauter Roman mit einer knappen Sprache, oft ganz kurzen Kapiteln und doch voller Spannung.

 

 

Anna Katharina Hahn: Aus und davon. Roman. Berlin: Suhrkamp 2020
302 S., geb., 24 €, ISBN 978-3-518-42919-8

 

In ihrem schwäbischen Familienroman nimmt A. K. Hahn uns mit auf eine Reise durch das 20. Jahrhundert. Die pietistische Großmutter Elisabeth übernimmt die Betreuung ihrer Enkel Stella und Bruno, weil ihre Tochter Cornelia nach einer gescheiterten Beziehung eine Reise, auf der Spurensuche ihrer ausgewanderten Großmutter Trude, an die Ostküste Amerikas als Auszeit unternimmt. Währenddessen versucht sich Elisabeth den Unabhängigkeitsbestrebungen ihres Ehemannes und ihrer Enkel zu stellen. Ein lebensnaher, zu weilen humorvoller und spannungsreicher Gegenwartsroman.

 

 

Thomas Hettche: Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste. Ill. von Matthias Beckmann
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2020
279 S., geb., 24 €, ISBN 978-3-462-05256-5

 

Mittels eines tiefen Blickes in die deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte erzählt Thomas Hettche poetisch und berührend zugleich die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und ihrer Gründerfamilie. Er spinnt den Herzfaden -die unsichtbare Verbindung zwischen Marionette und Zuschauern- bis zu den Leser:innen seines Romans.