Isabel Bogdan: Laufen. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019
199 S., geb., 20 €, ISBN 978-3-462-05349-4

Der Lebensgefährte hat sich suizidiert - unerwartet. Die Ich-Erzählerin beginnt mit dem Laufen, um der überwältigenden Trauer zu entkommen. Laufen ist ihr Weg, um nachzudenken, um sich selbst und die Menschen einzuschätzen, um ihren persönlichen Lebensrahmen zu erweitern. Sie läuft in ein anderes Leben. Isabel Bogdan führt Lauf- und Sprachrhythmus zusammen und erfindet neue Worte, um den Weg aus der Trauer in das Leben zu beschreiben.

Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019
213 S., geb., 20 €, ISBN 978-3-462-05145-2

Max - russischer Kontingentflüchtling – wächst in einem Flüchtlingsheim unter der rigiden Obhut seiner Großmutter auf. Staunend verfolgt er, wie die neue Liebe des Großvaters mit dem gemeinsamen Kind in die von Familienterror und -fürsorge gleichermaßen geprägte Gemeinschaft aufgenommen wird. Eine Geschichte über Resilienz und die Emanzipation eines traktierten Kindes aus dessen Perspektive erzählt.

Lukas Hartmann: Der Sänger. Roman. Zürich: Diogenes 2019
288 S., geb., 22 €, ISBN 978-3-257-07052-1

 

Joseph Schmidt ist Jude aus Cernowicz und mit einer himmlischen Stimme gesegnet. „Ein Lied geht um die Welt“ ist sein bekanntester Titel. Er ist ein Star, auch für die Nazis. Er flieht illegal in die Schweiz. Er erkrankt, aber die Ärzte behandeln den Flüchtling nicht anständig. Er stirbt. Lukas Hartmann erinnert 75 Jahre nach Kriegsende und Flucht mit dieser dramatischen Lebensgeschichte daran, was passiert, wenn Angst, Achtlosigkeit, Pflichtlosigkeit und Eigensinn das Handeln von Menschen leitet.

 

 

Christine Neudecker: Der Gott der Stadt. Roman. München: Luchterhand 2019
672 S., geb., 24 €, ISBN 978-3-630-87566-8

Fünf Studierende kommen an eine berühmte Schauspielschule nach Ost-Berlin, um dort RegisseurIn zu werden. Sie bekommen Unterricht von einer Regie-Ikone, bei dem ein gnadenloser Konkurrenzkamp um ihre Gunst entsteht. Besonders lebhaft werden die unterschiedlichen Charaktere und ihrer Beziehung untereinander dargestellt. Es ist ein Buch, das einen wie lebendige Theaterszenen - direkt in seinen Bann zieht.

Albrecht Selge: Fliegen. Roman. Berlin: Rowohlt Berlin 2019
171 S., geb., 20 €, ISBN 978-3-7371-0067-0

Seit sie Mann, Beruf und Wohnung verloren hat, lebt eine Frau im Zug. Mit der Bahncard 100, einer Tasche mit Kleidung und einem Gedichtbuch reist sie in einer Endlosschleife durch das Land. Spannend, berührend, tiefsinnig und sehr poetisch lesen wir von ihren Eindrücken, Erlebnissen und ihrem langsamen Abdriften von der Außenwelt.

Saša Stanišić: Herkunft. München: Luchterhand 2019
355 S., geb., 22 €, ISBN 978-3-630-87473-9

 

Woher komme ich, wer bin ich? Saša Stanišić geht diesen Fragen in seinem Buch nach und findet viele Antworten. Dabei weiß er, dass sie alle eine Mischung aus Realität, Fiktion, aus Erzähltem, Erfindungen und aus Sehnsüchten sind. So formt er sich seine Welt und wir als Leser folgen ihm bereitwillig, folgen seinen perlenden Sätzen, seinem Witz und seinen überraschenden Wortbildungen.